BÜCHER, DIE MAN BESONDERS MAG.

Foto-Autorin und Erzählerin Birgit Mächler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Auszug aus dem Abschnitt "Ein Gast"


Sie hatten es sich tags zuvor auf diesem See gemütlich eingerichtet. An diesem Morgen lugte die Sonne gerade über die Baumspitzen des Uferwaldes herüber und ihre ersten Strahlen glänzten auf der morgendlichen, noch fast glatten Wasseroberfläche. Es war so unheimlich still, dass selbst das feine helle Klimpern beim Aufstellen der Frühstückstassen auf die Unterteller durch den nahen Wald hallte. Es schien, als würde der Hall im Wald eiligst überall herumerzählen, dass auf seinem See endlich wieder ein Boot angekommen war. Das aber lag ganz ruhig vor Anker in der Sonne. Die gesamte Natur verhielt sich so, als wollte sie den Wind um keinen Preis der Welt an diesem Tag so schnell wecken. Instinktiv taten es ihr die Besucher des Sees nach. 

Die Sonnenstrahlen wärmten schön. So stand einem Frühstück an Deck nichts im Wege. Beide Kater lagen, frisch gestärkt, auf ihren Lieblingsplätzen in der Sonne und erschnupperten den neuen Tag auf ihre Weise. Am Tisch und garantiert auch auf den Lieblingskaterplätzen war man sich einig: ruhiger, entspannter und romantischer konnte ein Tag nicht beginnen. Und wollte man der vierköpfigen Crew glauben, so sollte der Tag nach dem Frühstück auch auf diese leise Weise weiter gehen. 

Die Sonne stieg höher. Sie hüllte den See und Teile des nahen Waldes in gleißendes Licht. Der warme Tee schmeckte so besonders angenehm. Die Fische ringsum schnappten nach den tanzenden Insekten knapp über der Wasseroberfläche. Ein Graureiher beobachtete das Treiben vom Ufer aus, brauchte er doch offenbar noch etwas zum Frühstück. Ein Fischadler war da schon weiter. Er saß auf einem etwas entfernten Baum und trocknete weit ausgebreitet seine Flügel in der warmen Sonne. Der Wind verspürte offenbar noch immer keine Lust, aufzustehen. Von dem traumhaften Geschehen ringsum längst sanft eingewickelt, tat an Bord jeder das Seine still vor sich hin: kauen, verdauen, schauen, dösen. Worte waren hier einfach zuviel. 

Irgendwann am späten Vormittag erwachten sie buchstäblich mit dem Verlangen, endlich weiter zu ziehen, aus dem süßen Nichtstun. Das Geräusch vom Hieven des Ankers durchbrach für eine Zeit die Stille und erzeugte bei den Besuchern ein fast schuldvolles Ducken. Es passte nicht in diesen Moment und nicht in diese Stimmung der Ausgewogenheit. 

 


Was erleben sie an diesem Tag weiter? Wie empfinden sie das Leben auf dem Wasser mit all den schönen Kleinigkeiten?

Lassen Sie sich entführen.